NOODNIK #16
Zeitschrift der Jüdischen österreichischen Hochschüler:innen

Kommentar.
Der geneigte Antisemit
Der geneigte Antisemit Es gibt Debatten, die ziehen sich über Jahre. Und dann gibt es das Karl-Lueger-Denkmal. Wer heute Anfang zwanzig ist und sich mit jüdischer Politik in Wien beschäftigt, kennt diese Diskussion praktisch seit dem politischen Erwachen. Schon in der Ausgabe NOODNIK #1 schmückte die Statue von Karl Lueger das Cover, nur ist sie auf diesem tatsächlich im Fallen begriffen. Davor gab es Proteste, Interventionen, Kunstaktionen, wissenschaftliche Gutachten, offene Briefe, Podiumsdiskussionen und die berühmt-berüchtigte Schandwache. Die Debatte dauert nun beinahe länger als die historische Epoche, um die sie sich dreht. Und dennoch steht das Denkmal noch immer dort. Nur…
Keep readingSchmock des Quartals.

Venie wieder ist jetzt: Mit Eisenschwert gegen den Judenstaat.
Der Schmock gibt im Gegensatz zum NOODNIK nur leere und unnötige Aussagen wieder. Der Schmock ist auch das, was zum Vorschein kommt, wenn einer seinen Bademantel nicht geschlossen halten kann.
Bildstrecke.
















Jennifer Leviev (*2002 in Wien), Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien. Künstlerischer Schwerpunkt auf Malerei und digitaler Kunst. Körperbilder und Schönheitsnormen liegen ebenso im Fokus ihrer Arbeiten wie die Medialität von Leere und Tristesse im Alltäglichen, in dem ihre Objekte wie gefangen wirken. Fertigt Illustrationen für Magazine an, Cover Artworks für die NOODNIK Ausgaben #10 / #13 / #14 / #15.
Editorial.
Liebe:r Leser:in,
Der NOODNIK ist jetzt “Sweet Sixteen”: Wir dürften in den USA nun also ohne Aufsicht Autofahren. Wow! Statt FührerSCHEIN stecken wir leider noch im FührerLAND fest, das wir nun zumindest für eine Weile mittels rechtlich abgesicherten Komasaufens vergessen könnten.
In einer der Ausnüchterungsphasen haben wir auch die vorliegende 16. Ausgabe des NOODNIK auf die Beine gestellt. Mit unserer neugewonnenen, jugendlichen Arroganz des Fast-Erwachsenseins widmen wir uns im SCHWERPUNKT diesmal einem besonders heißen Eisen: jüdischer Extremismus. Darf man diesen Begriff überhaupt aussprechen, fragt sich die jüdische Diaspora? Antwort NOODNIK: Wir schreiben bloß. Und drucken.
Jedenfalls widmet sich unser Leitartikel der Frage, ob die radikalste – for lack of a better word – scheißeste, israelische Regierung in der Geschichte des Staates wirklich eine Zäsur darstellt oder doch eher Kontinuität tieferliegender extremistischer Ideologien ist. Neben eines geschichtlichen Abriss zur recht extremen, jüdisch-amerikanischen, rechtsextremen Jewish Defense League (JDL), findet sich im SCHWERPUNKT außerdem ein Interview mit dem renommierten israelischen Regisseur Shai Carmelli Pollak zu seinem Aktivismus der „Protective Presence” im Westjordanland sowie eine Kritik des Begriffs des „(jüdischen) Linksextremismus”.
Falls du an diesem Punkt noch immer nicht genug von jüdischem Extremismus hast, findest du in POLITIK einen Kommentar zur Todesstrafe in Israel, der deine Laune mit Sicherheit noch weiter vermiesen wird – gern geschehen! Neben einem Bericht zum imperialen Schwanzvergleich zwischen Trump und König Charles findet sich in unserer Politik-Rubrik (REIM!) auch eine Analyse der Kontinuitäten des sowjetischen Antizionismus, gute Nachrichten aus Ungarn für die jüdische Gemeinde und ein Gastbeitrag der Hochschüler*innen Österreichischer Roma und Romnja (HÖR) zu gegenwärtigen wie vergangenen Versäumnissen österreichischer Erinnerungspolitik.
Der FEMINISMUS beginnt mit einem eindrücklichen Interview zur Initiative “Or Tamid” und deren Kampf für eine Meldestelle bei sexualisierter Gewalt in der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt. Nach einem Abstecher zu antisemitischen und misogynen parasozialen Beziehungen, mit denen @rose_igeaussichten als Jüdin in der Öffentlichkeit abgefuckt wird, findest du in “Ich wollte eigentlich nur beten” einen sehr lesenswerten Erfahrungsbericht zu Trans und Judentum bzw. jüdischem Transsein. Außerdem freuen wir uns ganz besonders über die BRANDNEUE FEMINISMUS-Kolumne, in der mittels “Jewish Feminist Space Laser” alle misogynen und antisemitischen Wappler:innen ab sofort durchbohrt werden.
In der KULTUR gibt es wieder Diverses im Sortiment: Ein Deep-Dive in das Phänomen der antisemitischen Big Yahu Memes, ein Collab mit dem EDA-Magazin aus SCHLAND und eine Neufauflage unseres – mittlerweile als UNESCO-Weltkulturerbe eingestuften – Jewish Survival Guides, der euch diesmal zum Lösen des Nahostkonflikts anleitet. How nice. Außerdem findest du Artikel zur spannenden 7.Oktober-Adaption des Orpheus-Mythos als Oper, den JöH-Troubles mit Antisemit:innen wegen des Eurovision Song Contests sowie einen Einblick in die erste Konferenz der Association for Central European Jewish History and Genealogy (CEJHG) in Wien.
Während du im STERNWORTRÄTSEL deinen überdurchschnittlich hohen IQ – mit dem du als gemeine:r NOODNIK-Lesender geblessed wurdest – auf die Probe stellen kannst, haben wir im HORROKSOP gerade für die hungrigen Astrolog:innen einige Leckereien am Start. Mhhhhhhm.
Wenn du ein:e visuelle:r Lerner:in bist (du kannst dich nicht mehr als zwei Sekunden konzentrieren) – no judgement! In der großartigen BILDSTRECKE von Jennifer Leviev gibt es jede Menge Ansehnliches zu bewundern, das für genug Abwechslung während des Offline-Lesens sorgt.
Beim Rücklesen dieses Editorials können wir kaum fassen, welch großartige Ausgabe wir wieder einmal gezaubert haben. Wir wünschen in allergrößter Bescheidenheit und Demut die beste Zeit beim Lesen und Verschlingen,
Die NOODNIK Redaktion
Schwerpunkt.

- Extremisten an der Macht: Wie der jüdische Ultranationalismus regierungsfähig wurdeExtremisten an der Macht: Wie der jüdische Ultranationalismus regierungsfähig wurde Abbau der Gewaltenteilung, rassistische und genozidale Rhetorik, beschleunigte Siedlungsexpansion, Einschränkungen der Versammlungs- und Pressefreiheit: Die seit 2022 amtierende Regierung Netanjahu gilt als die radikalste, die Israel je hatte. Ist sie eine Zäsur oder Kontinuität tieferliegender Strukturen? Huwara, Februar 2023. Nach einem Terroranschlag auf„Extremisten an der Macht: Wie der jüdische Ultranationalismus regierungsfähig wurde“ weiterlesen
- Die fünf Prinzipien des jüdischen ExtremismusDie fünf Prinzipien des jüdischen Extremismus Die Jewish Defense League und welche verdorbenen Früchte sie bis heute trägt In den 1960er Jahren waren die USA geprägt von innergesellschaftlichen Spannungen, politischer Gewalt und der Angst vor kommunistischem Einfluss. Als Antwort auf Antisemitismus und eine angebliche Bedrohung amerikanischer Jüdinnen und Juden gründete Rabbi Meir Kahane„Die fünf Prinzipien des jüdischen Extremismus“ weiterlesen
- Protective Presence in der WestbankProtective Presence in der Westbank Interview über den israelischen Aktivismus gegen Siedlergewalt mit dem renommierten Filmemacher und Aktivisten Shai Carmeli-Pollak NOODNIK: Vielen Dank, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Ich beginne mal ganz einfach. Kannst du denen, die noch nie davon gehört haben, erklären, was Protective Presence ist? Shai Carmeli-Pollak:„Protective Presence in der Westbank“ weiterlesen
- Kein Artikel zu „jüdischem Linksextremismus“Kein Artikel zu „jüdischemLinksextremismus“ Geht es um jüdischen Extremismus, sind die zentralen Themengebiete schnell gesetzt: Kahanismus, Ben Gvir und Smotrich, Jewish Defense League etc. Doch wie steht es mit linkem, jüdischem Antizionismus, der für die Vernichtung des jüdischen Staates Stimmung macht? Eine Kritik des Extremismusbegriffs. Der Verein Jüdische Stimme für gerechten Frieden in„Kein Artikel zu „jüdischem Linksextremismus““ weiterlesen
Politik.

- Österreich, tolerierst du nur Gedenken, oder auch Widerstand?Österreich, tolerierst du nur Gedenken, oder auch Widerstand? Über unsere übliche gemeinsame Erinnerungsarbeit hinaus findet unsere Zusammenarbeit mit der Hochschüler*innenschaft österreichischer Roma und Romnja (HÖR) nun auch in dieser Ausgabe des NOODNIKS statt. Der Text stellt zentrale Fragen an die österreichische Erinnerungspolitik: Reicht Gedenken allein aus, oder braucht es auch die Bereitschaft zu„Österreich, tolerierst du nur Gedenken, oder auch Widerstand?“ weiterlesen
- Von der Sowjetunion lernen heißt siechen lernen: Die sowjetischen Wurzeln des heutigen AntizionismusVon der Sowjetunion lernen heißt siechen lernen: Die sowjetischen Wurzeln des heutigen Antizionismus „Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen“ lautete der bekannte Slogan der DDR, des sogenannten „real existierenden Sozialismus“. Nachdem sowjetische Ideen bereits ab den 1960er Jahren immer stärkeren Anklang in linksextremen Kreisen Westeuropas und der Vereinigten Staaten fanden, wird seit„Von der Sowjetunion lernen heißt siechen lernen: Die sowjetischen Wurzeln des heutigen Antizionismus“ weiterlesen
- After Orbán: What Hungary’s Political Shift Means for Its Jewish CommunityAfter Orbán: What Hungary’s Political Shift Means for Its Jewish Community Relief over Orbán’s defeat is tempered by questions about Israel, antisemitism, and political stability For years, Hungary stood apart from much of Europe in the eyes of many Jews: politically illiberal, yet visibly safe. While fears of antisemitism grew elsewhere in Europe„After Orbán: What Hungary’s Political Shift Means for Its Jewish Community“ weiterlesen
- Das Spiel mit der Todesstrafe in Israel – Unsere Frustration ist keine AbkehrDas Spiel mit der Todesstrafe in Israel – Unsere Frustration ist keine Abkehr Israel versteht sich seit Jahrzehnten als Staat mit einem faktischen Moratorium auf die Todesstrafe. Tatsächlich wurde sie seit Staatsgründung nur zweimal vollstreckt: 1948 unter Militärrecht gegen Meir Tobianski – wobei sich der Verurteilte später als unschuldig herausstellte – und 1962„Das Spiel mit der Todesstrafe in Israel – Unsere Frustration ist keine Abkehr“ weiterlesen
- Trump & König Charles – Ein lapidarer Königsspruch und ein Lehrstück, warum es den Staat Israel brauchtTrump & König Charles – Ein lapidarer Königsspruch und ein Lehrstück, warum es den Staat Israel braucht Donald Trump hat vor einiger Zeit mehrfach gescherzt, dass die Europäer heute ohne die USA Deutsch sprechen würden. Anfang Mai hat der britische König Charles bei einem Staatsdinner in Washington retourniert, ohne die Briten würden die„Trump & König Charles – Ein lapidarer Königsspruch und ein Lehrstück, warum es den Staat Israel braucht“ weiterlesen
Feminismus.

- Ich finde, er verdient diesen Titel nichtIch finde, er verdient diesen Titel nicht Or Tamid und sexueller Missbrauch in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt In diesem Interview reflektiert Haleli Shomer Shalom über den Missbrauchsskandal von 2023 in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und die Anlaufstelle Or Tamid, die sie gemeinsam mit Roglit Ishay, Daniela Shemer und Niels Gerhardt nach dem darauffolgenden„Ich finde, er verdient diesen Titel nicht“ weiterlesen
- VON ROSA UND ROSEVON ROSA UND ROSE Jüdisch-feministische Kämpfe auf Social Media: Eine Skizze misslungener parasozialer Beziehungen Pls don’t hate me – aber ich werde diesen Text mit einem Goethe-Zitat beginnen: „Doch bin ich, wie ich bin und nimm mich nur hin!“ Dieses Zitat kenne ich nicht aus besonderer Vorliebe zur Weimarer Klassik, sondern, weil mein„VON ROSA UND ROSE“ weiterlesen
- Jüdisch & TransJüdisch & Trans Ich wollte eigentlich nur beten HaShem hat Humor „Bist du ein Junge, oder ein Mädchen?“Mit diesen Worten startete meine Pokémon-Karriere in meiner Lieblingsgeneration Rubin und Saphir. Damals habe ich mit einem kindlichen Selbstbewusstsein „Junge“ gewählt und mir nichts weiter dabei gedacht. Für mich war es eine so einfache Frage, was„Jüdisch & Trans“ weiterlesen
- Wer ist schuld an Andrew Tate?JEWISH FEMINIST SPACE LASER #1: Wer ist schuld an Andrew Tate? Frausein im jüdischen Aktivismus zwischen Projektionsfläche und Behauptungskampf Eine der grundlegendsten antisemitischen Erzählungen findet sich dort, wo man sie zunächst nicht vermuten würde: in bestimmten pseudo-feministischen und matriarchatstheoretischen Strömungen. In deren esoterischen Texten schreibt sich Geschichte als eine Erzählung vom Verlust weiblicher„Wer ist schuld an Andrew Tate?“ weiterlesen
Kultur.

- Die Juden kontrollieren das Wetter, aber leider nicht den VSSTÖDie Juden kontrollieren das Wetter, aber leider nicht den VSSTÖ Kommentar über die Sozialdemokratie auf der Couch “Völker hört die Signale”. Also alle Völker bis auf die Juden, denn die sind ja laut Bruno Kreisky – Urtitan der österreichischen Sozialdemokratie, selbst Jude seines Amtes und zeitlebens davon überzeugt, der Mossad hätte seinen Bruder„Die Juden kontrollieren das Wetter, aber leider nicht den VSSTÖ“ weiterlesen
- Rabin, The last day: Filmkunst als politische MahnungRabin, The last day: Filmkunst als politische Mahnung Zwanzig Jahre nach der Ermordung des israelischen Premierministers Jitzchak Rabin rekonstruierte Amos Gitai mit nachgestellten Szenen und Archivmaterial eindrucksvoll Israel rund um das Attentat vom 4. November 1995. Auch zehn Jahre nach seiner Veröffentlichung wirkt „Rabin, the Last Day“ noch immer allgegenwärtig. Der in Haifa„Rabin, The last day: Filmkunst als politische Mahnung“ weiterlesen
- Maria Theresia, Licht und Schatten ihrer MajestätMaria Theresia, Licht und Schatten ihrer Majestät Ein Name, den jedes österreichische Kind schon einmal gehört hat. Kennt man überhaupt irgendwelche Habsburger, so wird es zumindest dieser eine Name sein: Maria Theresia. Doch wer kennt auch ihre Schattenseiten? Ein jedes Kind lernt hierzulande davon, wie der sechsjährige Mozart nach seinem Konzert in Schönbrunn„Maria Theresia, Licht und Schatten ihrer Majestät“ weiterlesen
- FANPOST AN DIE JÖHFanpost an die JöH Liebe Leser:innen, nachdem wir uns länger nicht mehr unserer Fanpost gewidmet haben, wird es natürlich wieder an der Zeit. Diese sorgfältigen Liebesbriefe verdienen es, publiziert zu werden. Schließlich steckt in jeder Zeile so viel Hingabe, dass wir sie fast schon einrahmen möchten. Und weil echte Wertschätzung erwidert werden muss,„FANPOST AN DIE JÖH“ weiterlesen
Horroksop.

- Horroksop – Winter 2025Horroksop – Winter 2025 Aries – Widder 21. März – 20. April Julius Caesar (100 v. Chr. – 44 v. Chr.) Der Morgen, an dem Julius Caesar durch die Hallen der Curia ging, trug ein Schweigen, das eines sterbenden Zeitalters würdig war. Die Senatoren, die ihn begrüßten, taten es mit Lippen, die kaum„Horroksop – Winter 2025“ weiterlesen
Sternworträtsel.
