NOODNIK #12

NOODNIK #12

Zeitschrift der Jüdischen österreichischen Hochschüler:innen

Kommentar.

Alpträume, die platzen

Alpträume, die platzen Wie die JöH im Wurstelprater der österreichischen Politik verloren geht Willkommen auf der Achterbahn der österreichischen Politik! Hier werden alle Albträume wahr. Oder doch nicht? Ob wir wollen oder nicht, für Nervenkitzel in der JöH ist immer gesorgt.  In der letzten Ausgabe erzählten wir von unserer Mahnwache, die eine Woche lang vor Volkskanzler Herbert Kickl warnte. Im Januar fürchteten wir schließlich, dass unsere schlimmsten Albträume wahr werden könnten. Jeden Tag den Nachrichtenfeed aktualisieren und verzweifeln, weil die Verhandlungsgespräche das versprachen, was viele von uns zum Auswandern ermutigt hätte – oder zum maximalen Gegenprotest. Wieder Lautsprecher schleppen, Poster…

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Schmock des Quartals.

Heiße Luft
Der Schmock gibt im Gegensatz zum NOODNIK nur leere und unnötige Aussagen wieder. Der Schmock ist auch das, was zum Vorschein kommt, wenn einer seinen Bademantel nicht geschlossen halten kann.

Bildstrecke.

Omri Batkilin (*1993), geboren und aufgewachsen in Tel Aviv. Studium der Interdisziplinären Kunst an der Shenkar Universität sowie Social Design an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Schwerpunkt auf Malerei und Konzeptkunst.Inspiriert von der Neuen Objektivität werden persönliche Erfahrungen, Träume und politische Momente artistisch übersetzt. Dabei wird mitunter die Wiederaneignung antisemitischer Stereotype unternommen. Die oft antiklimaktischen Werke zeigen komische, unklare und unangenehme Situationen und verweisen wiederholt auf die 1930er Jahre, die als “Zeiten des Zusammenbruchs” Parallelen zur Gegenwart aufweisen. Kontrastiert wird dies durch das Motiv des Nachtlebens in Tel Aviv, in dem Batkilin die Kurzlebigkeit guter Momente betrachtet, die jederzeit von den Ereignissen des Morgengrauens beendet werden können.

Editorial.

Liebe:r Leser:in, 

die Nervensägen schlagen zurück: Willkommen beim NOODNIK #12! Die letzten Monate haben mit unseren Emotionen gespielt wie eine toxische Liebesbeziehung: Von begonnenen und zerbrochenen Koalitionsverhandlungen, samt einem verhinderten Haribert Kickler und KI-Videos von Deportationsfantasien, die (fuking) Trump auf seinen offiziellen Social-Media-Kanälen verbreitet. Die Welt scheint im neofaschistischen Chaos zu versinken und wir bieten euch die bestmögliche Literatur für eure Atomschutzbunker. Diese Ausgabe befasst sich mit Solidarität und damit meinen wir nicht die inhaltslosen Instagram-Slides, die dieses Wort zum Feigenblatt ihres Nicht-Aktivismus machen. In Zeiten, in denen wir verleitet sind, die Arme apathisch zu verschränken und uns vor dem Weltuntergang zu fürchten, ist die Erkenntnis, dass wir damit nicht ganz alleine sind, vielleicht das einzige, was uns bleibt. 

Der diesmalige SCHWERPUNKT lautet Solidarität statt Ohnmacht und möchte Solidarität nicht nur historisch und kontemporär beleuchten, sondern diese auch aus spezifisch jüdischer Perspektive betrachten und mögliche Grenzen des Soladarischseins aufzeigen. Ganz aktuell stellt sich beispielsweise die Frage, wie viel Antisemitismus die Demo-Teilnehmer:innen von TakeBack8M nervt. Die Toleranzgrenze scheint hier jedenfalls zu steigen. 

Von Trump und dem jugendlichen Rechtsruck in Israel bis zur Österreichischen Volkspartei, die sich seit eh und je nach rechts zu biegen und wenden scheint, wie es ihr politischer Opportunismus verlangt, ist unsere POLITIK international und national wiedermal bestmöglichst aufgestellt. 

In der Rubrik FEMINISMUS richtet sich unser Blick unter anderem auf Esoterik, die alles andere als emanzipatorisch ist und auf strukturelle sexualisierte Gewalt im Umfeld des israelischen Popstars Eyal Golan und wie diese Enthüllungen in der jüdischen Diaspora (nicht) verhandelt werden. 

Im STUDIERENDENLEBEN erwartet die aufmerksamen Leser:innen unter euch eine hochspannende Recherche über die erste jüdische Studierendenorganisation der Welt „Kadimah” und ihre historischen Bezüge zur JöH. Wie oben erwähnt, geht es für uns alle gerade ums Überleben, daher darf auch unser Jewish Survival Guide nicht fehlen. Schon mal vorweg: Es wird politisch und extrem skandalös. 

Letztlich haben wir uns für die KULTUR Rubrik wortwörtlich die viel rezipierten Filme A Real Pain und No Other Land angeschaut, aber auch den Schwenker zurück nach Österreich gemacht, indem die Pressefreiheit nur knapp dem Supergau unter einer FPÖ-Regierung entkommen konnte. Wer dann immer noch nicht genug hat, kann sich in den letzten Seiten dieser Ausgabe am STERNWORTRÄTSEL in die Verzweiflung knobeln oder im HORROKSOP nachlesen, welche kommunistischen Dilemmata die Gestirne am Himmel derzeit offenbaren.

So, und jetzt hör endlich auf, diesen langweiligen Text mit deinen wunderschönen Augen zu betrachten und lies dich in den NOODNIK ein!   

Wir wünschen dabei viel Spaß,

Die NOODNIK Redaktion

Schwerpunkt.

Politik.

  • Die Jugend Israels: Zwischen Trauma und Rechtsruck
    Die Jugend Israels: Zwischen Trauma und Rechtsruck Die Ereignisse der Zweiten Intifada und die darauffolgenden Jahrzehnte haben eine israelische Jugend hervorgebracht und geprägt, die sich mit erschlagender Mehrheit als rechts versteht. Wer sich eine bessere Zukunft für Israel und Palästina herbeisehnt, wird einen Weg finden müssen, in dieser Generation den Glauben an und„Die Jugend Israels: Zwischen Trauma und Rechtsruck“ weiterlesen
  • Händchenhalten mit Nazis?
    Händchenhalten mit Nazis? Die ÖVP hat erneut jede Glaubwürdigkeit im behaupteten Kampf gegen Antisemitismus verspielt, auch wenn Schwarz-Blau III diesmal nicht zustande kam. Denn während anderswo Brandmauern errichtet und verteidigt werden, koaliert die Volkspartei seit Jahrzehnten immer wieder mit den Kellernazis. Ihre christlichsozialen Vorläufer um Karl Lueger haben dem historischen Nationalsozialismus seinerzeit den„Händchenhalten mit Nazis?“ weiterlesen
  • Blick nach rechts
    Blick nach rechts Der Presseservice Wien beobachtet seit sechs Jahren anti-emanzipatorische Bewegungen Als wir gefragt wurden, ob wir einen Beitrag darüber schreiben wollen, wie sich unsere Arbeit unter einer möglichen blau-schwarzen Regierung ändern könnte, standen die Verhandlungen zwischen den beiden Parteien bereits einige Tage vor dem finalen Scheitern. Die Möglichkeit, einen Beitrag über„Blick nach rechts“ weiterlesen
  • Jede:r fünfte wählt rechtsextrem
    Jede:r fünfte wählt rechtsextrem Was der Aufstieg der AfD bedeutet und was wir jetzt tun müssen  Es ist Sonntagabend. Ich sitze im Zug nach Berlin. Aber heute ist kein Sonntag wie jeder andere. Ich sehe mich um und sehe vor allem junge Menschen, die nervös auf ihre Handys starren. Auch mir geht es„Jede:r fünfte wählt rechtsextrem“ weiterlesen
  • Make Gaza Great Again
    Make Gaza Great Again Trumps zweite Amtszeit im Heiligen Land  eit dem 20. Jänner 2025 sitzt Donald Trump zum zweiten Mal als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika im Weißen Haus. Der erste internationale Staatsbesuch galt dem eng verbündeten israelischen Premierminister Netanjahu. Thema waren etwa das Geisel-Abkommen und der Waffenstillstand zwischen der Terrororganisation„Make Gaza Great Again“ weiterlesen

Feminismus.

  • Selbstheilung Sinnsuche Sexismus
    Selbstheilung Sinnsuche Sexismus Weiblichkeitsvorstellungen in der esoterischen Ideologie Esoterische Weltanschauungen haben in den letzten Jahrzehnten an Popularität gewonnen. Vermeintlich perfekt auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt und an den kapitalistischen Markt angepasst, werden esoterische Angebote für eine breite Masse anschlussfähig: Pendel, Horoskope, Tarotkarten und Kristalle erfahren als kleine Hilfsmittel in großen Lebensfragen zunehmend Beliebtheit.„Selbstheilung Sinnsuche Sexismus“ weiterlesen
  • Der dunkle Schatten des Rampenlichts
    Der dunkle Schatten des Rampenlichts Eyal Golan, einer der berühmtesten Sänger Israels, genießt nicht zuletzt wegen seines Hits „Am Yisrael Chai“ großen Ruhm in Israel und der Diaspora. Doch jenseits des Rampenlichts verbirgt sich eine dunkle Realität: Vorwürfe sexuellen Missbrauchs überschatten seit über einem Jahrzehnt ihn und sein Umfeld – ohne allerdings seine„Der dunkle Schatten des Rampenlichts“ weiterlesen
  • Emilie Schindler: Das Ende der Unsichtbaren
    Emilie Schindler: Das Ende der Unsichtbaren Wer prägt unsere Geschichte? Sind es die großen Namen und Taten, die für immer in den Annalen verankert bleiben, oder sind es die oft übersehenen Menschen, deren Taten im Schatten der Zeit verblassen? Schindler, ein Name mit gewaltigem Widerhall. Doch der Ruhm der ihm gebührt, gehört nicht„Emilie Schindler: Das Ende der Unsichtbaren“ weiterlesen

Studierendenleben.

  • A Jewish survival guide to political scandals
    A Jewish Survival Guide to Political Scandals „All tea all shade hunties” – RuPaul Manche nennen uns schadenfroh, manche niveaulos, most people call us cigarettes (Anm. Ari: Cigarettes? Antwort Chris: Auf Britisch, Darling). We care not, wir lieben einen guten Skandal. Wer hat mit welchem:welcher Journalist:in ein Techtelmechtel? Wer tut nur so, als„A Jewish survival guide to political scandals“ weiterlesen
  • Mit Helm und Schlagstock
    Mit Helm und Schlagstock 143 Jahre Jüdische österreichische Hochschüler:innen Am 25. Oktober 1882 wird in Wien etwas noch nie Dagewesenes gegründet: Die erste jüdische Studentenvereinigung der Welt namens Kadimah – „Vorwärts!“. Mit der aus ihr später entstehenden Lesehalle wächst sie in kürzester Zeit zur zweitgrößten Studierenden-Union der Universität Wien heran. Das ist kaum„Mit Helm und Schlagstock“ weiterlesen

Kultur.

Horroksop.

  • Horroksop – Frühling 2025
    Horroksop – Frühling 2025 Aries – Widder 21. März – 20. April Du stürmst voran wie ein sowjetischer Traktor, der den frostigen Boden der Geschichte aufreißt – kraftvoll, aber ohne Rücksicht darauf, was unter dir begraben liegt. Es ist bewundernswert, mit welcher Energie du dich in die Stürme des Lebens wirfst, doch erinnere„Horroksop – Frühling 2025“ weiterlesen