The land of smiles in the eyes of a Jewish girl

The land of smiles in the eyes of a Jewish girl

Seit mir mein Papa zum ersten Mal das Buch „In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne in meiner Kindheit vorgelesen hatte, entfesselte sich ein brennendes Verlangen in mir, eines Tages selbst mehr von der Welt zu sehen. Ziemlich klischeehaft, aber dennoch wahr. 

Aufgewachsen in Israel, waren die Möglichkeiten zum Reisen eher eingeschränkt. Erst als wir nach Deutschland zogen (und ich das Konzept der EU kennenlernen durfte), öffneten sich zahlreiche Türen für mich. Ich werde niemals diese Faszination vergessen, die ich hatte, als ich in unter 5 Stunden mit dem Zug von Deutschland aus nach Paris fuhr. Die Grenzen der EU mit der Grenze zwischen Israel und Libanon zu vergleichen war für mich kaum begreifbar. 

Und dann kam der Tag, der 14. Juli 2022, an dem ich endlich die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt. Mit etwas erspartem Geld und den neu ergatterten Privilegien beschloss ich, es wäre endlich an der Zeit, meinen Freiheitsdrang ein Stück weit auszuleben.

Nicht sonderlich originell entschied ich mich für Thailand als meine Reisedestination. Zugegebenermaßen lief das ganze nach dem Motto: „planlos ging der Plan los”. Ursprünglich war eine Reise mit einer Freundin geplant. Als sie sich ihren Fuß brach und nicht mehr mitkommen konnte, entschied ich , dass diese Reise meine ganz persönliche Emanzipations- und Selbstfindungszeit sein würde (das hat sich sicherlich noch nie jemand beim Reisen gedacht!).

Angekommen im Süden Thailands (touristisch gesehen völlig überfüllt) hatte ich zunächst kaum das Gefühl, auf einer Reise zu sein. Es war  mehr das Gefühl, als wäre ich  in einem Pauschalurlaubsparadies angekommen. Das war natürlich zu erwarten. Dennoch war ich ziemlich überrascht von dem Ausmaß und der Macht des touristischen Treibens.  Es war erdrückend. Ich erlebte öfters  Situationen, in denen sich Tourist:innen den Einheimischen gegenüber respektlos verhielten, wenn sie Schwierigkeiten hatten, sich auf Englisch zu unterhalten. 

Ich fühlte mich fehl am Platz. Diese ersten Interaktionen zwangen mich dazu, mir Gedanken über bewusstes und achtsames Reisen zu machen. Ich packte meine Siebensachen und zog mich auf Koh Lanta zurück, eine ruhige Insel.

Ich verbrachte hier eine ganze Woche und hatte meine ersten Berührungen mit dem Buddhismus in Thailand sowie zahlreiche Gespräche mit buddhistischen Mönchen – unter anderem auch über das Judentum.  

Als nächstes ging es für mich nach Koh Phangan. Nach einer 9-stündigen Fahrt mit Bus und Fähre, kam ich auf der Insel an, oder, wie ich es nenne, im „zweiten Israel“. Das erste, was mir auffiel, war, dass ich um mich herum mehr Hebräisch hörte als irgendeine andere Sprache. Beim ersten Besuch auf dem örtlichen „Night-Market“ fand ich nicht nur einen israelischen Essensstand, sondern gleich mehrere: Sabich, Shawarma, Rogalach, alles was das Herz begehrte! Ich würde so weit gehen und sagen, dass es einfacher war, gutes Israelisches Essen auf Koh Phangan zu kriegen als in Wien (sorry). 

Ich konnte nicht anders als über den überproportionalen Anteil an Israelis auf Koh Phangan amüsiert zu sein. Immer wieder begegneten mir auf meinen Spaziergängen durch Koh Phangan Straßenschilder auf Hebräisch. Als ich mit einigen Israelis ins Gespräch kam, erzählten sie mir, dass auf Koh Phangan sogar wöchentliche Shabbes-Dinners veranstaltet werden. 

Der einzige andere Ort, an dem mir so viele Israelis in Thailand begegneten, war Pai – eine kleine Bergstadt im Norden Thailands. Der Weg dorthin kann ein ziemlicher Albtraum sein: von Chiang Mai aus fährt man 3 Stunden mit dem Bus Bergauf und Bergab. Am Busbahnhof werden daher vor Abfahrt (fragwürdige) Tabletten gegen Übelkeit verkauft (not recommended). 

Als ich abends durch den „Night-Market“ von Pai spazierte, war ich erstaunt darüber, dass hier unzählige Falafel-Stände zu finden waren. Bei vielen anderen Ständen fand man Plakate mit hebräischer Schrift, auf denen beispielsweise  „Geht auch kosher!“  oder andere Empfehlungen auf Hebräisch standen. Als ich mich nun fragte, weshalb Israelis so gerne nach Thailand reisen, ist mir in den Sinn gekommen, dass Thailand für viele Reisende ein Gefühl der grenzenlosen Freiheit vermittelt. Thailand ist ein sehr spirituelles Land, welches für andere Religionen und Kulturen Offenheit zeigt. Ich muss aber auch dazu sagen, dass diese persönliche Wahrnehmung definitiv damit zusammenhängt, dass ich das Land aus den Augen einer westlichen Touristin sah. 

Die meisten Israelis, mit denen ich ins Gespräch kam, waren welche, die vor kurzem das Militär beendet hatten und nun etwas Zeit für sich haben wollten. Ein klassisches „sich selbst finden wollen“ könnte man sagen. Und dafür ist Thailand ein perfektes Land, besonders wenn man bedenkt, dass man mit dem israelischen Pass nur sehr begrenzt reisen kann.

Nicht umsonst wird Thailand oft als „The Land of Smiles“ bezeichnet. Thai sind dafür bekannt, gastfreundlich zu sein. Thailand ist chaotisch und dennoch organisiert, auf eine Art, die mich ein Stück weit an Israel erinnert. Alles in allem ist Thailand immer eine Reise wert, vor allem dann, wenn man dem Trubel des „Immer-mehr-erreichen-Wollens“ Europas entkommen will und eine neue Perspektive bekommen möchte. Nichtsdestotrotz muss man die Schattenseiten des Reisens im Kopf behalten und darauf achten, dass man dem Land, das man bereist, als Tourist:in keinen Schaden zufügt, sondern die Gastfreundschaft reflektiert und mit Dankbarkeit  annimmt. Letzten Endes ist Reisen das, was man draus macht!

Katja Kesler

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