Fanpost an die JöH
Liebe Leser:innen,
nachdem wir uns länger nicht mehr unserer Fanpost gewidmet haben, wird es natürlich wieder an der Zeit. Diese sorgfältigen Liebesbriefe verdienen es, publiziert zu werden. Schließlich steckt in jeder Zeile so viel Hingabe, dass wir sie fast schon einrahmen möchten. Und weil echte Wertschätzung erwidert werden muss, beantworten wir diese Perlen wie immer mit der nötigen Portion Humor und Herz.
Christian Janda schreibt:
werte Hochschüler,
(nein, ich gerndere jetzt nicht,weil ich einen Schulabschluß habe und daher nicht jeden Schwachsinn mitmache), als von Steuerzahlern finanzierter Verein ist es wohl mehr als anmaßend, eine zukünftige Regierung zu kritisieren, nur weil man irgendwelche Vorurteile ohne weitere Prüfung nachbetet – aber es ist ja leider derzeit bekannt, daß ein Großteil der Studenten an einer Uni in wWahrheit fehl am Platz ist…
Junden wundern sich immer ganz lauthals und medienwirksam, warum sie so unbeliebt sind, dabei ist die Antwort ganz einfach: keine andere Gruppierung (oder wie immer Sie sich jetzt bezeichnen wollen) ist derart unverschämt und fordernd, wie eben Juden, Sobald es irgendwo auch nur einen Hauch einer Chance, sich in Szene zu setzen und die Nazikeule auszupacken, wird diese unvermittelt schamlos ausgenützt (und eben leider von den Medien unterstützt) – sei es, wenn es sich um irgendetwas „Rechts“ (was auch immer da drunter fällt – mittlerweile ist ja schon eigenständiges Denken „rechts“), um irgendein Kunstwerk, das vor Ewigkeiten irgendwie in „falsche“ Hände gelangt ist, oder um – in deren Augen – sonst irgendein „Unrecht“ handelt, wird augenblicklich an die /zugegeben tragischen) Ereignisse während des Zweiten Weltkrieges erinnernt und das Thema zum wiederholten Mal zum eigenen Vorteil ausgeschlachtet!
Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen, sondern nur an z.B. das Schicksal der Sudetendeutschen, der [N-Wort], der Indianer, der Inkas, der Mayas usw. erinnern – bitte denken Sie einmal darüber nach, bevor Sie in tausend Jahren noch immer darauf herumreiten!
In diesem Fall der Regierungsbildung ist es glücklicherweise ganz einfach: Sie akzeptieren die demokratische Entscheidung der Österreicher, oder Sie verlassen dieses Land, wenn Sie damit nicht leben können – dies steht Ihnen frei und es wird Sie sicherlich niemand zurückhalten, da Sie auch nicht sonderlich fehlen werden….
Mit freundlichen Grüßen eine gute <reise wünschend
Chr. Janda
Hallo Christian!
Wir entschuldigen uns für die verspätete Antwort und gratulieren dir herzlichst zu deinem Schulabschluss! Wir wollen hier bitte zum Ausdruck bringen, dass eben belesene Menschen gendern. Uns ist das Vorurteil schon untergekommen, dass der angeblich größte Sieg der Jüdinnen und Juden der Holocaust war. Wie schon Henrik Broder sagte: “Den Holocaust werden uns die Antisemiten nie verzeihen.” Danke, dass du dies so klar und deutlich zur Geltung bringst.
Als ein von Steuergeldern finanzierter Verein finden wir es äußerst anmaßend, dass die stimmenstärkste Partei Österreichs internalisierten salonfähigen Faschismus predigt. Tatsächlich wundern wir uns nicht, warum Jüdinnen und Juden so unbeliebt sind. Der Grund: Menschen wie du, lieber Christian. Menschen, die ein aktives Gedenken an die Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden ablehnen. Menschen, die (wie sicher auch du) darauf beharren, dass ihre Vorfahren Widerstandskämpfer:innen waren.
Es ist leider so leicht, die „Nazikeule auszupacken“, wenn der Parteiobmann der stimmenstärksten Partei sich als „Volkskanzler“ bezeichnet oder unser Nationalratspräsident ein Mitglied einer deutschnationalen, schlagenden Burschenschaft ist und Make-up-Tutorials schaut, um seinen Schmiss zu überdecken.
Wir sind uns sicher, dass du kein Problem damit hättest, wenn es keine jüdischen Menschen in Österreich gäbe. Trotzdem werden wir hier bleiben und gegen faschistisches Gedankengut kämpfen und alles dafür tun, dass sich die Shoah, ein Abschnitt in der Geschichte, der wahrscheinlich in deiner schulischen Laufbahn nicht so oft behandelt wurde, niemals wiederholt.
Bitte recherchiere den Begriff „Whataboutism“.
Mit freundlichen Grüßen,
Die Noodnik-Redaktion
Ein Herr namens Volker schreibt:
grüß gott,
Finanzminister begrüßt Netanjahus Entscheidung
Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich lobte Netanjahus
Entscheidung. Er forderte, man müsse die „Tore zur Hölle“ nun „so
schnell und tödlich wie möglich für unseren grausamen Feind öffnen, bis
zum totalen Sieg!
wie krank ist eure demokratie eigentlich ??
gruß
Lieber Volker,
Vielen Dank für deine Nachricht! Wir fürchten, du hast etwas verwechselt. Wir sind die Jüdischen österreichischen Hochschüler:innen. Unsere Demokratie ist auch deine Demokratie, aber du hast recht. Unsere Demokratie ist krank. Hier schafft man es trotz der Geschichte nicht, sich von Antisemitismus und Nationalsozialismus zu entfernen. Unser schmiss-geschmückter Nationalratspräsident gewährt nicht nur mehreren schlagenden Burschenschaftern eine Bühne, sondern feiert auch einen bekannten Antisemiten bei seinem Dingsda-Symposium. Wie gesagt, unsere Demokratie ist krank.
Doch müssen wir dir zustimmen: die Regierung in Israel ist zurzeit verrückt, aber auf die haben wir Jüdinnen und Juden in Österreich keinen Einfluss. Genauso wenig, wie wir das Wetter kontrollieren können.
Das war natürlich ein Witz. Nenne uns bitte deine gewünschte Temperatur.
Mit freundlichen Grüßen,
Die jüdische Weltverschwörung
Nach der Auseinandersetzung mit diesen Briefen könnte man sich unweigerlich die Frage stellen, wieso wir auf solche liebevollen Nachrichten antworten. Möglicherweise brauchen wir ab und an eine Erinnerung, welche antisemitischen Ressentiments sich da draußen verstecken. Oder hängt es vielleicht mit unserer legendären nervigen jüdischen Art zusammen, die schon Jahre lang der einzige Grund für Antisemitismus gewesen ist. Unsere Antwort darauf? Weil wir Noodniks sind.
Alles Liebe,
Eure NOODNIK Redaktion