Die Juden kontrollieren das Wetter, aber leider nicht den VSSTÖ

Die Juden kontrollieren das Wetter, aber leider nicht den VSSTÖ

Kommentar über die Sozialdemokratie auf der Couch

“Völker hört die Signale”. Also alle Völker bis auf die Juden, denn die sind ja laut Bruno Kreisky – Urtitan der österreichischen Sozialdemokratie, selbst Jude seines Amtes und zeitlebens davon überzeugt, der Mossad hätte seinen Bruder entführt – ein “mieses Volk”, wenn sie denn “überhaupt eines” wären. Dennoch, die Sozialdemokratie strömt durch meine Adern wie mein Blut. Da beide auch die gleiche Farbe haben, kann man sie auch nicht wirklich unterscheiden, das hat schon für einige medizinische Verwirrungen gesorgt. 

Diagnose: Sozialabbau positiv, Austromarxismus negativ. Da soll sich noch einer auskennen. Fast hätte man die Differentialdiagnostik wegen Verdacht auf pinke Tendenzen angeordnet. Das konnte folglich kategorisch ausgeschlossen werden, jedoch muss ich mich in fünf Jahren einer Nachkontrolle unterziehen. Das ist besonders demütigend, da ich einmal im unschuldigen Alter von 16 Jahren als “rote Prinzessin” deklariert wurde. Ich bin bis heute mächtig stolz darauf, aber natürlich ist das ein kompletter Schwachsinn – immerhin werden Prinzessinnen hofiert und hätte man mich hofiert, würde es jetzt anders in der Sozialdemokratie ausschauen. Dies behaupten übrigens alle “roten Prinzessinnen”, deren Gewerkschaft gehöre ich schließlich an, in Vorsitzfunktion! Wie sich Hochadel und Gewerkschaft miteinander ausgehen? Die Antwort ist simpel: Seit jeher fürchtet die Sozialdemokratie die Guillotine. Das macht vermutlich auch die KPÖ für die jungen Revoluzzer:innen so viel attraktiver. In Graz, so munkelt man, wird bald der Weg zum Uhrturm hinauf mit den Köpfen der kapitalistischen Klassenfeinde geschmückt. Sie sollen von den Bäumen baumeln und wenn dann der Wind durch sie hindurchfährt, wird es einem Glockenspiel gleichen. Schön eigentlich.

Revolutionsneid

Bei solchen – hypothetischen – Geschehnissen würden die Junggardist:innen der Sozialdemokratie blau vor lauter Neid, wie damals, als sie die Revolution verraten haben! Wenn es ernst wird, ziehen sie sich zurück in die Gemeindebauten und suchen sich den nächstbesten Christdemokraten, den sie alsbald mit sozialpartnerschaftlichen Flugblättern beschießen wollen. Wenn keiner auftaucht, beginnt man sich in den radikalen Lesekreis zurückzuziehen, studiert Marx, Lenin und Trotzky und kommt nach fast drei-sekündigem Grübeln sofort zu einem Entschluss: Schuld am Kapitalismus sind die Juden! Oder Zionisten? Egal, Semantiken sind für die Grünen, denn wer am Baum festgekettet ist, hat schließlich mehr Zeit zu denken. Und so erkennt man: Ein Jude geht um in Europa. Also Israel. Denn das ist eine weiße, europäische Siedlerkolonie. Die mizrahischen Jüdinnen und Juden wissen einfach nicht, was ihnen gut tut und die israelischen Araber:innen leiden unter Stockholm-Syndrom. Ihr wisst doch gar nicht, wie viel Arbeit das für die Sozialdemokratie ist – man muss die Unterdrückten befreien und zusätzlich noch die, die gar nicht befreit werden wollen. Das ist viel emotional care work – vor allem neben der politischen Hochschularbeit und ganzen acht ECTS pro Semester. 

Als Ödipus Parteimitglied wurde

Andi Babler ist vielleicht unser Vizekanzler und Minister für Allfälliges, doch für den sozialdemokratischen Nachwuchs ist er die geliebte Mutter. Das muss man schon verstehen, dass wenn die Mama versucht, die Familie zusammenzuhalten, die Kinder sich in der Rolle der Querulanten versuchen. Meistens beginnt es mit lasziven Instagram-Postings, die von Doppeldeutigkeit durchzogen sind, leider endet es dann oft in antisemitischen Tendenzen. Das muss man natürlich mit Nachsicht betrachten, denn schließlich waren Jüdinnen und Juden mittragend bei der Entstehung der sozialistischen Ideologie. Da haben wir’s mal wieder: Die Juden sind Schuld! Und nichts zeugt von mehr Emanzipation aus dem Haus der Bruthenne heraus, als wenn man auf die Ahn:innen und ihre Bälger spuckt. Und ein familiärer Konflikt ist ja auch sexy. Die ödipale Revolution nur der Revolution wegen ist dann doch denen mit intellektuellem Anspruch an sich selbst, der Welt und jedem Lercherlschaß zu wenig. 

Eine Argumentation muss gefunden werden und demgemäß vertraut man natürlich den Qualitätsmedien: Etwa jener Instagramseite, die im Fachjargon auch Volksantifa genannt wird. Dort erfährt man: Die JöH ist rassistisch! Das hat man mit drei Kommentaren aus einer 400-Personen-Whatsappgruppe belegt – was wegen dieser geantwortet und gelöscht wurde oder welche Rolle diese Leute innerhalb der Organisation haben (oder eben nicht), konnte leider nicht verifiziert werden. Wenn man zu viel recherchiert, werden aus den acht ECTS nurmehr drei. Und dann ist die Mama wieder böse. Aber die Junggardist:innen der Sozialdemokratie sind sich sicher: Das “Vici” in Rabinovici ist eine Abbreviation für vicious und beim “Gut” in Guttmann ist jeder Tag Gegenteiltag. Nomen est omen. Oder eben auch nicht. Aber ja, die Volksantifa hat tapfer, jedoch ohne Angabe der eigenen Klarnamen aufgezeigt, dass alle Studierendengruppen irgendwie “von den Zionisten kontrolliert” werden. Man ist sich noch nicht sicher, ob Zionisten gegendert werden muss, da noch unklar ist, ob es Frauen unter den Verdammten dieser Erde gibt, die wären ja schließlich unterdrückt und das können die Semiten ja bekanntlicherweise nicht sein. 

Jetzt, da der satanische Teufelsbund zwischen JöH und den coolen linken Fraktionen einmal mehr aufgedeckt wurde, bleibt den Junggardist:innen und ihren völkischen Antifa-Friends wohl nichts anderes übrig als mit dem neo-stalinistischen KSV-KJÖ eine Koalition einzugehen. Zugegebenermaßen: Der KSV-Lili war nicht erreichbar, denn sie waren damit beschäftigt, in Hebron die Indigenen zu bekämpfen. Schade. 

Das Unbehagen in der Verantwortung

Nun hat es sich also ergeben, dass die Junggardist:innen erfahren haben, dass eine ihrer Koalitionspartner:innen eine Hebräerin ist. Die Realisation hat ein wenig gedauert, denn besagte Hebräerin tarnte sich mit ausgezeichnetem Französisch. Dies ist die Sprache der Liebe und zu dieser Emotion sind die Mosaischen bekanntlich nicht fähig. Aber es musste freilich agiert werden, obwohl man in Anbetracht der ethno-religiösen-nationalfaschistischen Kondition besagter Vorsitzender wohl nur von “reagieren” sprechen kann. Es handelte sich nämlich um reine Notwehr des Volkskörpers der ÖH. Ganz nach dem Motto “Nicht nur sauber, sondern rein”. Leider haben die Junggardist:innen nicht mit der dummen, anti-antiimperialistischen Wähler:innenschaft gerechnet. So entfesselten die wetterkontrollierenden Zionisten einen Shitstorm, der auf den ÖH-Apparatus hereinbrach und den reinen, unbefleckten Status-Quo braun einfärbte. Demgemäß musste man sich wieder auf die ödipalen Abwehrmechanismen besinnen: Laszive und vage Instagrampostings. Diese sind zwar nichtssagend, jedoch wurde ein wichtiger Schritt für das Eigenwohl – aber gegen die Revolution der Arbeiterklasse – gesetzt: Man möchte sich jetzt doch wieder mit den “jüdischen Organisationen“ – Zionisten – zusammentun! Es wurden zwar keine konkreten Organisationsnamen genannt, aber das ist nur richtig so, da wir wie immer nur aus dem Hintergrund die Fäden ziehen. Jedoch munkelt man trotzdem, es gäbe virtuelle Annäherungsversuche seitens der Junggardist:innen gegenüber der JöH. So hätte man eine Freundschaftsanfrage auf Insta geschickt! Das wirkt für viele vielleicht wenig, jedoch haben sich aus solchen ausgeklügelten Schachzügen schon immer die schlimmsten One-Night-Stands entwickelt. Erotisch. 

Diagnose: Stuhlpsychose

Aus dieser Anamnese lässt sich eines herauslesen: Es steht um die Sozialdemokratie schlechter als wir dachten. Zuerst erkennen sie den Feind und dann verbünden sie sich mit ihm. Ein solches Verhalten kann nur als hysterisch tituliert werden. Jedoch gibt es noch Hoffnung für die Sozialdemokratie. Vorausgesetzt natürlich, sie hört die Signale und erhebt sich von der Couch. 

Freundschaft,

euer (Volks-)Genosse und Vorsitzender der
Roten-Prinzessinnen-Gewerkschaft GmbH e.V,

Werner Chaymann

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